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Der Hinterhuf eines Pferdes ist härter als der Unterschenkel eines Reiters... 

Ein Ausschluß der Tierhalterhaftung wegen Handelns auf eigene Gefahr kommt regelmäßig nicht in Betracht, wenn mehrere Reiter an einem Ausritt oder einer Reitjagd teilnehmen und ein Reiter von dem Pferd eines anderen geschlagen wird.

OLG Koblenz vom 26.01.2006 - 5 U 319/04 - LG Trier

OLG Frankfurt am Main vom 26.06.2009 - 24 U 202/08 - LG Darmstadt

§§ 833, 254, 242 BGB

Auf diese Entscheidungen hat freundlicherweise Herr Rechtsanwalt Friedrich O. Koch, Frankfurt/M., hingewiesen. Die Konstellation ergibt sich immer wieder. Auf einem bis dahin ungetrübten Ausritt keilt ein Pferd aus und zerschmettert Schienbein, Wadenbein oder Knöchel eines in unglücklicher Entfernung befindlichen Reiters eines anderen Pferdes, dem vermutlich die Attacke galt.

Beide Oberlandesgerichte halten die Annahme, dass die Teilnahme an einem gesellschaftlichen Ausritt auf eigene Gefahr und unter Haftungsverzicht erfolgt, für fernliegend. Tragende Gesichtspunkte waren:

Bei sich noch entwickelndem Schaden -nicht ausgeheilter Verletzung oder bei scheinbar komplikationslosem Verlauf, wenn nach Art der Verletzung jedoch stets mit Zukunftsbeeinträchtigungen zu rechnen ist- ist die Feststellungsklage zulässig, auch wenn teilweise beziffert werden könnte. Das OLG Koblenz verweist auf BGHZ 5, 314; BGH NJW 1978, 210; BHGZ 77, 301; BGH WM 1980, 1176 und 1981, 66.

Das OLG Koblenz führt weiter aus, dass das Reiten hinter dem Pferd des Schädigers nur dann mitverschuldensrelevant sein könnte, wenn der Geschädigte gewußt hätte, dass das Pferd zum Auskeilen neigt. Die Regeln des Reitsports stehen Annäherungen in der Gruppe, die objektiv beispielsweise beim Gangartwechsel ohnehin nicht zu vermeiden wären, nicht entgegen. Die Rechtsprechung aus dem Straßenverkehr zur Einhaltung eines Sicherheitsabstandes lasse sich nicht übertragen. Allein den Schädiger träfen die einschlägigen Sorgfaltsregeln im Reitsport: Er muß sein zum Auskeilen neigendes Pferd mit der üblichen roten Schleife im Schweif für jedermann erkennbar kennzeichnen und sich stets am Schluß der Gruppe halten. Bei Beachtung dieser Regeln wäre es nicht zum Unfall gekommen.

Das OLG Frankfurt/M. führt in seiner Entscheidung aus, dass die "Besitzer-Eintragung bei der FN" ein gewichtiges Indiz für die Haltereigenschaft ist. Gerade in "Ruhephasen" sei ein Haftungsverzicht fernliegend, vorliegend hatte sich der Unfall auf einer Schrittstrecke ereignet, auf der Jagdteilnehmer nebeneinander herritten und sich unterhielten( eig. Anm.: Für ein Fuchsschwanzgreifen mag also anderes gelten können.). Schließlich wird eine Vielzahl von Schadenspositionen abgehandelt, bespielsweise Kurzstrecken-Taxikosten, Heilbehandlungskosten statt Inanspruchnahme der Krankenversicherung -die ohnehin regressiert hätte- und nicht zuletzt Berittkosten für das Pferd des Geschädigten, während er es verletzungsbedingt nicht bewegen konnte.


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RA Heinrich Göbel

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