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Fütterung mit frischem Heu: 

Pferde erkrankt bzw. eingeschläfert !

Oberlandesgericht Karlsruhe, Urteil vom 17.01.2008 - 12 U 73/07 – LG Karlsruhe (Pressemitteilung vom 13.02.2008, gesichtet und eingestellt auf freundlichen Hinweis vom Frau RAin Nadine Jablonski, Bad Krozingen)

Der Kläger nimmt den Besucher des Reiterhofs in Anspruch, der im Juli 2005 von von im Innenhof der Anlage abgestellten Anhängern herabgefallenes loses Heu an drei Pferde verfüttert hatte. Der Kläger trug vor, die vom Beklagten gefütterten Pferde hätten deswegen am nächsten Tag Koliken erlitten, eines davon habe eingeschläfert werden müssen. Er verlangt Erstattung des Wertes der eingeschläferten Stute sowie deren ungeborenen Fohlens sowie der Kosten für die Pflege und Betreuung der erkrankten Tiere und der Entsorgung der verendeten Stute.

Der Beklagte wendete ein, er habe nicht gewusst, dass das Füttern von Pferden mit frischem Heu zu Koliken führen könne. Das Landgericht Karlsruhe hat mit Urteil vom 23.03.2007 die Klage abgewiesen, da dem Beklagten ein Fahrlässigkeitsvorwurf nicht gemacht werden könne.

 

Die gegen dieses Urteil gerichtete Berufung des Klägers war dem Grunde nach erfolgreich, lediglich zur behaupteten Schadenshöhe –Werte der Stute und des ungeborenen Fohlens- folgte das OLG den Vorstellungen des Klägers nur teilweise.

Nach den in der Pressemitteilung wiedergegebenen Gründen hat das OLG für entscheidend gehalten,  dass das Füttern der Pferde mit frischem Heu einen rechtswidrigen Eingriff in das Eigentum des Klägers darstellt, weil nach der Vernehmung der Tierärztin und auf der Grundlage eines Sachverständigengutachtens feststand, dass das Verfüttern des Heus Ursache für die Koliken bei allen drei Pferden war. Nach Erläuterung des Sachverständigen genügen ein oder zwei Handvoll nicht abgelagertes Heu, um bei einem Pferd eine Kolik auszulösen. Der Einwand des Beklagten, möglicherweise sei das Handeln Dritter, die die Pferde ebenfalls gefüttert hätten, für die Koliken ursächlich, hielt der Senat für rechtlich nicht erheblich. Der Beklagte habe auch fahrlässig gehandelt, denn er habe nach eigener Darstellung weder nähere Erfahrung mit Pferden gehabt noch sei er über deren Nahrungsgewohnheiten informiert gewesen. Es musste ihm also klar gewesen sein, dass er somit keinerlei Kenntnisse über Nahrungsunverträglichkeiten hatte und er schon deshalb gehalten war, jegliche Gabe von Futter zu unterlassen. Zudem habe er erkennen können und müssen, dass eine ungeregelte und unkontrollierte Zufütterung eine Gefahr für die Gesundheit der Tiere darstellen konnte, zumal er nicht wußte, wann die Pferde zuletzt gefüttert worden waren und zu welchem Zeitpunkt die nächste Fütterung anstand. Dass es nicht zum Allgemeinwissen gehören möge, dass frisches Heu für Pferde gefährlich ist, vermochte ihn deshalb nicht zu entlasten. Es wäre ihm als reiner Besucher ohne weiteres möglich gewesen, die Fütterung der Pferde zu unterlassen.

 

Beiläufig wird noch darauf verwiesen, dass offen blieb, ob sich aus dem Fehlen von Verbotsschildern bzgl. der Pferdefütterung durch Unbefugte ein Mitverschulden des Klägers herleiten lassen könnte. Der Beklagte hatte zu einem solchen Aspekt nichts vortragen lassen.

 

Die Revision wurde nicht zugelassen.

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RA Heinrich Göbel

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